3 Finger auf Tour in Neuseeland, letzter Teil

Vitesse schreibt: 

Gletscher Hoch 3, Milford-Wow und unerwartete City-Lieben



So ziemlich jedem Traveller sind „Franz Josef“-Gletscher (benannt nach dem Franz-Josef-Ösi) und „Fox“-Gletscher (Namensgeber war ein neuseeländischer Premier, der als erster offizieller Tourist dort war) ein Begriff. Wir wissen nun auch, warum. Erstens liegen beide direkt neben dem State Highway (ein kurzer Stopp bietet sich also fast schon zwangsläufig an), zweitens sind sie über ausgelatschte Wege für jeden leicht zu erreichen (einzige Gehhindernisse sind internationale Reisegruppen, die aus Bussen strömen). Da stehen wir also, zusammen mit Indern, diversen asiatischen Reisenden (Korea, China, Japan etc) und Teenie-Backpackern, und sind einigermaßen beeindruckt. Für den nächsten Tag beschließen wir aber, weniger iausgetretene Tracks zu wandern, und setzen die Reise gen Süden fort.

Und siehe da: Derjenige Gletscher, der uns wirklich umhaut, stand eigentlich gar nicht auf unserer Reise-Agenda – der Rob Roy Glacier bei Wanaka. Nach jeder Wegbiegung staunen wir über gewaltige Wasserfälle die in den Regenwald stürzen, während sich daneben krachend Eis vom Gletscher löst. Das nach Florians Meinung Beste am Gletscher ist jedoch die Offroad-Anfahrt. Der Weg führt über Stock und Stein und durch Wasser; nichts für den Camper. Zumindest waren wir froh, einen Geländewagen gemietet zu haben.

Überhaupt bietet Wanaka eine für uns ideale Mischung: Kleinstadt-Annehmlichkeiten wie Sushi-Kreationen und Macadamia-Eis treffen hier auf gigantische Seen und ordentlich steile Berge. Paul mag das Geschunkel und den Ausblick aus der Kraxe. Sein Anblick sorgt für Lächeln und spontane Reaktionen anderer Wanderer wie „Oh that’s the right way of hiking“ oder „Look Mom, he gets a ride!“.

Nach drei wunderbaren Tagen stoppen wir kurz in Queenstown für den angeblich besten Burger des Landes. Nach langen 30 Minuten in der Schlange halten wir die Tofu-, Reh- und Huhnvariatonen von ‚Fergburger‘ endlich in den Händen bzw. zwischen den Zähnen. Unsere Geschmacksknospen danken die Geduld, sowas von lecker! Abgesehen von diesem kulinarischen Highlight ist die Stadt für uns jedoch eher ein Lowlight, da sie hektisch und eng wirkt und auf Abenteuer- und Adrenalin-Junkies setzt; wir als Familie sind einfach nicht Zielgruppe für Rafting, Bungee Jumping etc. Dieser erste Eindruck sollte sich noch ändern, aber dazu später mehr… 

On the road again nähern wir uns einem ganz besonderen Ziel: Milford Sound. „You hit the jackpot!“ grinst unser Guide auf dem Boot, denn an einem der regenreichsten Orte der Welt trübt nicht eine Wolke den Sonnenschein über dem Fjord. Wasserfälle, Regenbögen, seltene Baumarten, riesige Felswände und die „Two Turtles Kissing“-Steine sind tatsächlich so malerisch wie wir uns erhofft haben. Wovon wir bislang keine Ahnung hatten, ist, dass die Unterwasserwelt mindestens genauso viel zu bieten hat. Im sehenswerten Underwater Observatory ist man quasi selbst der Fisch im Aquarium, während die Tiere frei vorbeischwimmen. Wir erfahren, dass der Rock-Fish andere Fische in seiner eigenen Größe verspeisen kann, die seltene Black Corall eigentlich weiß ist und dass durch die normalerweise starken Regenfälle eine bis zu 15 Meter dicke Süßwasser-Schlamm-Mischung auf dem Meerwasser liegt. Grund für die Tierwelt, viel höher an die Oberfläche zu kommen als irgendwo anders. 

Auf dem Rückweg stellt sich Queenstown erneut in den Weg und schafft es diesmal, uns zu überraschen: Es bietet viel Grün, einen kristallklaren See (99% Wasserreinheit, das ist angeblich mehr als in manchem Mineralwasser) und jede Menge Fahrradstrecken. Eine willkommene Abwechslung zu unseren bisherigen Fortbewegungsmethoden Autofahren oder Wandern. So schnappen wir uns Mountainbikes und heizen mit Paul im Anhänger auf einer Crossstrecke am See entlang. Während wir uns nach der Tour in Fat-Boys eines Cafés die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, übt Paul wagemutig seine neueste Fähigkeit: einige Schritte alleine gehen. Er jauchzt über jeden Zentimeter und wir sind stolz (also sooooo richtig stolz) auf den kleinen Kerl. 

Nach Sonnenschein muss es auch mal Regen geben. Und so sehen wir auf dem legendären Hooker Valley Track nichts, aber auch gar nichts vom Mount Cook. Dafür Keas (Bergpapageien) und dickes Eis im Gletschersee bei Nebel. Auch nicht übel. Doch da sich die Wolkendecke im Nationalpark nicht lichten will, brechen wir etwas früher auf nach Christchurch, einer Stadt von der wir uns wenig versprechen. Weit gefehlt. Sie entfaltet ihren eigenen Charme. Zunächst sind wir schockiert über die vielen Großbaustellen, Zeichen des kontinuierlichen Wiederaufbaus, immer noch, nach dem verheerenden Erdbeben am 22.2.2011, das über 180 Menschenleben gekostet hat. Doch sie sind auch Zeichen für eine kreative Can-Do-Mentalität, eine Welle des Zusammenhalts und Erkenntnisse neuer Chancen für Infrastruktur und Bauten der Stadt. Wir verbringen drei schöne Tage in provisorisch-charmanten Containern-Läden, in Museen und ihren mit Play-Areas ausgestatteten Cafés, im botanischen Garten und auf Street Art-Tour. 

Nach drei Tagen ChCh (Akronym für Christchurch) heißt es Abschied nehmen. Von einem Land, an dessen unfassbare Natur und lieben Menschen wir ein kleines Stück unseres Herzens verloren haben. Wo sonst wünschen Busfahrer ihren Fahrgästen einen schönen Tag und bedanken sich, dass man mitgefahren ist? Trinkt man den Kaffee einfach in Socken und lässt dreckige Schuhe vor dem Café stehen? Gehen Rentner barfuß einkaufen? In welcher Großstadt wird man von fremden Menschen freundlich begrüßt, wenn man an ihnen vorbeijoggt? 

Nach über 4.100 km haben wir einiges, aber noch lange nicht alles oder genug gesehen. Die Bucket List für die nächste Reise ist schon geschrieben. CU, NZ! Bleib so wunderschön. Wir nehmen ganz viel Lässigkeit und Offenheit von dir mit.

Weiter gehts von Cairns nach Sydney. Stay tuned.

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2 Gedanken zu “3 Finger auf Tour in Neuseeland, letzter Teil

  1. Sehr schöner Bericht in der aktuellen Men Health Dad. Wir waren bis letzte Woche auch auf Elternzeitreise mit Schwerpunkt Neuseeland mit unserer inzwischen 11 Monate alten Tochter. Unsere Erlebnisse habe ich auf meinem Blog geschildert: http://www.photonovels.de/blog

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