3 Finger auf Tour durch Australien, letzter Teil

Die Herzfrau schreibt: 

Australien, Abschieds- und Come-back-Planungsteil



Die letzten Stationen unserer Reise bescherten uns nochmal richtig schöne Tage. Vielleicht, weil wir uns mental langsam auf die Rückreise vorbereiteten. Vielleicht, weil es wirklich mega schön war. Zunächst war da Port Macquarie. Eine unscheinbare Hafenstadt zwischen Coffs Harbour und Newcastle. Also hielten wir auch unscheinbar für eine Nacht und besuchten Australiens erstes Koala Hospital, das vor 40 Jahren eröffnete. Mittlerweile hat sich die Einrichtung in der Umgebung so etabliert, dass dort jährlich bis zu 100 Koalas aufgenommen und verarztet werden können. Zudem läuft das Hospital komplett auf Spenden und Freiwilligenbasis. Wir schlossen uns beim Besuch einer Führung an und ließen uns von Nick, einem kleinen Iren, alles über die aktuelle Patientenlage erzählen. Das Hospital ist einen Halt wert, um zum Beispiel zu lernen, dass der Begriff ‚Koala‘ aboriginal für ‚Kein Wasser‘ ist und der Koala zwei Daumen hat und er zwanzig Stunden schläft (jedoch nicht auf Droge ist von den Eukalyptusblättern, sondern aufgrund seines Stoffwechsels) und vieles mehr. Also: Googlen ist krass, Besuch des Hospitals noch krasser.

Nächste Station war Newcastle, eine Stadt die wir bislang gar nicht auf dem Schirm hatten, deren Natur-Pools am Meer jedoch richtig dufte Retro-Charme entfalten und die einige nette Cafés zu bieten hat. Anlass unseres Stopps dort war ein Treffen mit Jackie, James und deren kleiner Tochter Ivy. Flo hatte vor über zehn Jahren mit ihnen in Sydney gearbeitet. Es war Sympathie auf den ersten Blick, ein lustiger Abend bei Pizza und mit Schwipps sowie Fangen spielenden, tanzenden Kids. Unsere Nacht verbrachten wir derweil mal anders als gewöhnt – auf der Straße: mit dem Camper standen wir in der Stadt vor dem Hostel Newcastle Beach YHA und nutzten dessen Amenities für eine Hand voll Dollar. Klingt etwas wild, ist es aber gar nicht. Sondern ist eine gute Lösung für Leute wie uns, die in ihrer Orga die Osterfeiertage übersehen und keinen Platz mehr auf Campingplätzen bekamen, da der gemeine Australier grundsätzlich an den Feiertagen campen fährt. Und es war günstig. 

Weiter ging es, und wieder erwartete uns ein Überraschungsblickfang. Bei Shelley Beach trafen wir auf durch Gezeiten entstandene Pools, perfekt für Zwergs Plitsche-Platsche, außergewöhnlich geschliffene Steine und Puderzuckersand zwischen den Zehen. Es war ein Abschied, wie Reisende es sich nicht unbedingt wünschen würden: viel zu schön, um Tschüss zu sagen. Es war der vorerst letzte Strand unserer über 4.000 Kilometer langen Ostküstenreise. Das ungeschulte Auge hätte zwischenzeitlich genervt gefragt, was denn noch so Besonders wäre an Stränden. Sehen doch alle gleich aus. 🙂 Gar nicht. Jeder Strand hat einen eigenen Reiz und viel zu entdecken.

Vorletzter Halt waren schließlich die Blue Mountains. Die heißen so wegen ihrer vielen Eukalyptusbäume, die ein ätherisches Öl verdunsten, deren feiner Nebel über den Bergen liegt. Der National Park bietet jede Menge Platz zum Toben und Wandern, Wälder mit Wasserfällen, tolle Ausblicke und ganz viele Touristen. Wir setzten noch einmal auf unsere trainierten Beine und nahmen den Giant Stairway (sehr steile Treppen) ins Tal für eine Flucht vor den Menschenmengen. Das Training setzte an und das Salted Caramel Eis im Gingerbread House schmeckte, untergebracht in einer ehemaligen Kirche, gleich doppelt lecker. 

Nach den letzten zwei Nächten im Camper setzten wir zum Zieleinlauf an: Die Reise endete dort, wo sie begann, in Sydney. Nach 8.473 Kilometern (ja, unser schlechtes CO2-Fußabdruck-Gewissen ist schon lange zum Weinen in den Keller gelaufen) cruisten wir bei herbstlichem Sonnenwetter durch den Osten der Stadt rein ins CBD zu unserer letzten Herberge auf dieser Reise. Es war wohl ein ungewöhnliches Bild für die Fußgänger und noch mehr für die Bell Boys: Wir fuhren im allerkleinsten Camper-Modell am Hilton Sydney vor und bezogen unser Zimmer im 42. Stock der Executive Lounge. Es war mehr eine Gönnung als ein gewöhnlicher Besuch. Nach zwölf Wochen auf knapp zehn Quadratmetern mit weltkleinster Kochstelle freuten wir uns auf ein großes Bett und gemachtes, serviertes Essen. Paul rockte die Etage, als gäbe es kein Halten, plantschte im Whirlpool und kullerte durch das 2x2m Bett. 

Eine Erkenntnis, die uns wohl in Sydney einholte, als wir das letzte Mal durch die Stadt zogen und durch den botanischen Garten stromerten: Vor drei Monaten hatte hier unser Abenteuer Elternzeit seinen Anfang genommen. Heute sind wir um ein laufendes und stolpernd Möwen fangendes Kind, unglaublich bunte Erfahrungen und Erlebnisse, eine gewachsene Partnerschaft und einiges an Gelassenheit reicher. Etwas wehmütig, aber sehr dankbar für diese Zeit heißt es, zurück zu kommen. Familie und Freunde wiedersehen. Weiter die Welt mit Kleinkindaugen sehen und großen und kleinen Abenteuern als Familie entgegen fiebern.

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